o.T. (Arbeitstitel), 2009
Installation am Rathaus Harburg Gerüsttreppen,
Container, Inneneinrichtungsmobiliar

Der in Köln lebende japanische Künstler Tatzu Nishi alias Tatsurou Bashi alias Tazro Niscino öffnet mit seinen skulpturalen Eingriffen in alltägliche Umgebungen neue Blickwinkel auf scheinbar gewöhnliche Dinge. Nach seiner Lieblingsskulptur im öffentlichen Raum befragt, antwortete er der Kuratorin Ali Subotnik: “Die Stadt selbst, mit ihren Hochhäusern, Autobahnen, Baustellen, jungen Leuten, alten Leuten, Autos, Straßenbahnen (...)”. Kirchturmspitzen, Straßenlaternen und Bronzeskulpturen werden durch die Umbauten Tatzu Nishis zu scheinbar privatem Wohninventar: Der Künstler errichtet ein Wohnzimmer um einen Engel, der eigentlich Wetterhahn des Münster in Basel ist und lässt diesen zur Tischdekoration schrumpfen; ein steinernes Denkmalstandbild steht plötzlich mit beiden Füßen auf der Matratze eines Doppelbetts (“Gott erscheint am Kopfkissen”, Gent 2005) und eine kopfüber in einer Unterführung steckende Straßenlaterne gerät in seinem Interieur zur übergroßen Deckenlampe.

In Harburg wählt der Künstler für seinen Eingriff kein geringeres Gebäude aus, als das Rathaus und dessen 113 Jahre alte Uhr. Über ein zwanzig Meter hohes Gerüst, das gleichzeitig für die Dauer der Ausstellung den Haupteingang des Rathauses versperrt, betritt der Besucher einen rund 16 qm großen Raum, in dem die repräsentative Uhr als gewöhnlicher Einrichtungsgegenstand erscheint. Nishis Installation verbindet zwei in seinem Werk wiederkehrende Motive: Zum Einen eine Maßstabverschiebung in jeder Hinsicht – eine Verschiebung der Größeverhältnisse, der Bedeutungsperspektiven, der Verhältnisse von Innen und Außen sowie der Kategorien von öffentlich und privat –, zum Anderen die Uhr als ein unbeugsames, den Künstler faszinierendes Messgerät, das stoisch weitertickt, ganz unabhängig davon, ob jemand gerade eine gute oder schlechte Zeit verbringt. Nishis Kunst zeugt in Harburg wie anderswo stets von seinem speziellen Witz. Sie ist unmittelbar verständlich und verfügt doch über mindestens einen doppelten, wenn nicht über einen drei- und vierfachen Boden.



Tatzu Nishi
*1960 in Nagoya (Japan), lebt in Berlin.

Ausgewählte Ausstellungen
Köln Skulptur 5, Skulpturenpark Köln, 2009/11
Studio Exhibition, Hiroshima City Museum of Contemporary Art, Hiroshima, Japan, 2007
Tatzu Nishi, Ikon Gallery, Birmingham, UK, 2007
Cheri in the Sky, Maison Hermes, Tokyo, Japan, 2006
Ecstasy, The Museum of Contemporary Art, Los Angeles, CA, USA, 2005
Projekt Migration, Kölnischer Kunstverein, 2005
1st International Biennial of Contemporary Art of Sevilla, Spanien, 2004
Cabinet 3, Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent, Belgien, 2003
Beautiful Life?, Art Tower Mito, Japan, 2002
Interventionen 24, Sprengel Museum, Hannover, 2001
• Projekt Hotel Continental in Continental Shift, Ludwig Forum für Internationale
Kunst, Aachen, 2000



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